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Der längste Weg - Teil 1

 

Leutnant Vilbel trieb die Klinge tief in die Kehle des Kerkermeisters. Dieser röchelte und versuchte zu schreien, doch die Waffe hatte seine Stimmbänder durchtrennt, weshalb nur gurgelnde Geräusche aus seinem Mund kamen. Vilbel dankte Sigmar, trotz eines blind ausgeführten Stiches, dass ungeschützte Fleisch am Hals des Dunkelelfen getroffen zu haben, denn das feingliedrige Kettenhemd, welches die Brust des Elfen schützte, hätte er in seinem geschwächten Zustand wohl kaum durchdringen können.

Einst war Leutnant Vilbel ein kräftiger und ausdauernder Mann mit breiten Schultern gewesen, aber die Monate in Gefangenschaft in den Kerkern tief unter der Erde und die knochenharte Arbeit droben im Wald als Sklave der unbarmherzigen Dunkelelfen hatten ihren Tribut gezollt. Einmal täglich bekamen er und seine Mannen ein großes, rohes Stück Fleisch durch die Gitterstäbe geworfen. Vilbel verabscheute es, denn es roch verdächtig nach Mensch. Er kannte den Geruch von den barbarischen Stämmen in den Südlanden, die er einst im Auftrag des Imperators bekämpft hatte. Doch seine Mitgefangenen stürzten sich wie räudige Straßenhunde aus Altdorf auf das Filetstück, um den brennenden Hunger in ihren Mägen zu bekämpfen. Nur wenn er den Hunger auf Morr komm raus nicht mehr aushielt, würgte er ein, zwei Stücke hinein, nur um es schnell mit einigen Schlucken des brackigen Wassers, welches sie zu trinken bekamen, herunter zu spülen.
Exkremente und Erbrochenes besudelten den Zellenboden, denn es gab keinen Abort oder dergleichen. Die Wachen hielten es nicht einmal für nötig, die Leichen der Verstorbenen zu entfernen, weshalb Vilbel angeordnet hatte, die Leiber der Toten in der hintersten Ecke des Kerkers zu stapeln. Dort rotteten sie nun vor sich hin, aufgedunsen von der unnatürlich hohen Luftfeuchtigkeit in den Kerkern. Anfangs war der Gestank bestialisch und kaum auszuhalten, doch inzwischen hatten sich alle an den fauligen Geruch gewöhnt. Statt dessen breiteten sich mit der Zeit Infektionen aus, viele hatten Husten, Fieber oder Schwindelgefühle. Wunden verheilten nicht mehr richtig und bekamen eitrige Geschwülste.
Die Arbeit als Holzfäller in den finsteren Nadelwäldern Naggaroths war nicht weniger strapaziös. Nur mit einem Leinentuch bekleidet, waren die Männer der beißenden Kälte des nordischen Winters schutzlos ausgeliefert und viele starben den Kältetod.
Selbst wer all die Torturen überlebte, konnte den willkürlichen Lüsten der Wachen zum Opfer fallen. Manch Pechvogel wurde von ihnen aus dem Schlaf gerissen und die Treppe hinauf geschleift. Diese unglücklichen Seelen warden nie wieder gesehen, ihre qualvollen Schreie waren oft das letzte, was man von ihnen hörte. Nicht, das ihre Folter einen Sinn gehabt hätte. Die Männer hatten nichts verbrochen und hatten keine Informationen, die man ihnen hätte entlocken können. Die Wachen quälten die Männer nur zu ihrem eigenen Vergnügen und ergötzten sich am Leid ihrer Opfer. Erst wenn durch unvorstellbare Folter jegliche Hoffnung und der letzte Funke Lebensmut aus den Opfern entschwunden war und sie um den Tod bettelten, wurden sie durch einen schnellen, präzisen Schnitt durch die Kehle getötet oder aber den sagenumwobenen Hexenkriegerinnen übergeben, welche die armen Seelen in finsteren Ritualen ihrem mörderischen Kriegsgott Khaine als Opfer darbrachten und in ihrem Blut badeten, um ewige Jugend zu erhalten. In seinem früheren Leben hatte Vilbel Geschichten über die Erbarmungslosigkeit der Dunkelelfen lediglich als Hirngespinst alter Greise und Untergangspropheten abgetan, doch die Grausamkeiten, die er bisher in der Gefangenschaft erlebt hatte, ließen ihn inzwischen an die Schrecken dieser Erzählungen glauben.

Wenn er zurückdachte, konnte sich Leutnant Vilbel noch gut an den Tag erinnern, als das Forschungsschiff von Gustav Heinrich, dessen Forschungsreise er mit seinem Regiment begleitete, von den Korsaren der Dunkelelfen gekapert wurde. Durch einen spitzen Schrei geweckt, griff er nach seinem Säbel und stürmte an Deck, bereit, der unbekannten Bedrohung nur mit einem Nachthemd bekleidet gegenüber zu treten, aber da war es bereits zu spät. Obwohl zahlenmäßig weit unterlegen, hatten die Elfen die wenigen bewaffneten Besatzungsmitglieder an Deck schnell und effektiv eliminiert und die restlichen, im Schlaf überraschten Männer zusammen getrieben. Nachts noch unsichtbar, entdeckte Vilbel am nächsten Morgen das schlanke, schnittige Schiff er Elfen, welches die Wellen mühelos durchschnitt und wie über das Wasser zu gleiten schien. Die schwarze Skiffe schien mit Schuppen bedeckt zu sein und erweckte den Eindruck eines aus dem Wasser auftauchenden Seedrachens. Vilbel fröstelte es bei seinem Anblick. Dieses Schiff hatte sie auch bis zu seinem vermutlichen Heimathafen eskortiert, wo er und seine Männer als auch andere Gefangene, welche von der Skiffe getrieben wurden, in einer langen Reihe mit einem Sack über dem Kopf zu den Kerkern marschieren mussten. In den Kerkern wurden die Gruppen der Gefangenen wieder von einander getrennt, Kapitän Heinrich hatte er seitdem auch nicht mehr gesehen.

Vilbel verfluchte den Kapitän, seine dämliche Forschungsreise, die unmenschlichen Bedingungen, sein und das Schicksal seiner Männer und er verfluchte diese gottverdammten Elfen. Die Wut, die sich über die Wochen und Monate in ihm angestaut hatte, brach nun aus ihm heraus. Er stemmte sich mit seinem ganzen Gewicht auf den Knauf des Dolches und trieb die Klinge weiter durch die Kehle des verblutenden Elfen, bis die Spitze über den Steinboden scharrte. Er zog den Dolch zurück und entlud seinen ganzen Frust an seinem Opfer, indem er immer und immer wieder auf das längliche Gesicht der Elfen einstach, bis dieses nur noch ein rotes, fleischiges Etwas aus Hirn und Knochensplittern war. In Rage versetzt begann Vilbel laut zu schreien und spürte das Pochen in seinen Ohren, als sein Herz mit immer höherer Frequenz das Blut durch seinen Körper pumpte. Sein Torso und sein Gesicht waren mit Elfenblut bespritzt, als er den Dolch sinken ließ und auf der Brust es toten Elfen zusammensackte. Er knirschte mit den Zähnen und kniff die Augen zusammen, um die Tränen zu unterdrücken, doch es war vergebens. Ergriffen von all den Grausamkeiten der letzten Monate, begann er heftig zu schluchzen und sein Körper fing an, kräftig zu beben.

Dann hörte er dumpf aus weiter Ferne eine Stimme nach ihm rufen.
„Leutnant Vilbel, sind sie in Ordnung?“
Vilbel, das war sein Name. Aber war ein Name denn noch wichtig? Früher, ja, da war ein Name wichtig. Genauso wie sein Rang oder ein Titel. Aber hatte all das Leid und all der Schmerz diese Dinge nicht hinfort gespült? Waren im Angesicht des Todes Namen, Ränge und Titel nicht vollkommen bedeutungslos?
„Leutnant, können sie mich hören?“
Wieder diese Stimme. Er kannte diese Stimme, er hatte sie schon öfter gehört. Aber er reagierte nicht. Er wollte nicht mehr reagieren, wozu die Mühe aufwenden? Bald würde alles vorbei sein, bald würde er erlöst werden und in die Hallen Morrs einziehen, wenn es den Totengott an diesem verfluchten Ort überhaupt gab.
„Leutnant, wir müssen weiter! Die Männer brauchen sie!“
Stimmt, da waren ja auch noch seine Männer. Er hatte geschworen, sie bis zum letzten Atemzug zu begleiten. Jemand griff nach seiner Schulter und er öffnete endlich langsam die Augen. Feldwaibel Helmuth kauerte vor ihm und hatte einen besorgten Gesichtsausdruck aufgelegt.
„Wir brauchen sie,“ wiederholte der Feldwaibel. „sie müssen uns hier rausführen.“
Vilbel blinzelte mehrmals und blickte sich um. Gut zwei Dutzend blut- und dreckverschmierte Männer blickten ihn erwartungsvoll an. In ihren Gesichtern stand Angst, aber auch grimmige Entschlossenheit. Der Leutnant schüttelte den Kopf, um die störenden Gedanken zu verjagen und zog sich dann am Arm des Feldwaibels auf die Beine.
„Wie viele Kampfähig?“ fragte er in die Runde.
„Zweiundzwanzig, Sir.“ entgegnete Helmuth.
„In Ordnung. Nehmt von den Wachen was ihr kriegen könnt. Gebt Waffen und Rüstungen an Siegismund, Dettmer und Wolf.“ befahl Vilbel. „Und sie nehmen den Dolch“ ergänzte er und reichte dem Feldwaibel die Waffe, von der immer noch das Blut des Kerkermeisters tropfte.
„Aber Sir, dann haben sie ja keine, wie...“ widersprach Helmuth.
„Nichts aber! Ich brauche nichts“ unterbrach ihn Vilbel.
Der Feldwaibel nickte und begann nun, die restliche Ausrüstung unter den Männern zu verteilen. Die eng geschnittenen Kettenhemden der Elfen passten den breit gebauten Menschen kaum und sie hatten Mühe, sich durch die Kopföffnungen zu zwängen. Während dessen blickte Leutnant Vilbel durch den Kerker und rang einen inneren Konflikt. Er wollte seine verletzten und kranken Männer nicht zurücklassen, aber mit ihnen im Schlepptau würden sie nicht sehr weit kommen und ihre Revolte würde ihnen nichts außer den sicheren Tod bescheren. Dann bemerkte er, dass Helmuth alle kampffähigen Männer vor der Treppe hatte Stellung beziehen lassen. Vilbel atmete tief durch und betete mit geschlossenen Augen für alle, die sie würden zurücklassen müssen, möge Sigmar ihrer Seelen gnädig sein. Dann gab er den Marschbefehl.
„Helmuth, Siegismund, Dettmer, Wolf... sie bilden die Vorhut Dietz, sie bleiben bei mir. In zweier Reihen die Treppe hoch. Los!“
Seine Männer formierten sich laut Befehl und begannen, die steinernen Stufen der Wendeltreppe zu erklimmen. Während des Aufstiegs untersuchte Vilbel im Vorbeigehen die Wände, die sie umgaben. Diese waren Moosbewachsen und feucht, an manchen Stellen liefen kleine Rinnsale zwischen dem schwarzen Gestein herab. Sie mussten tief unter der Erde, aber auch nahe am Meer sein. Die Flucht war also definitiv möglich. Die genaue Entfernung konnte er jedoch bei bestem Willen nicht abschätzen, denn auch wenn sie zu Sklavenarbeiten abgeholt wurden, hatten sie einen Sack über dem Kopf zu tragen. Er betete, dass draußen Dunkelheit herrsche, denn Tageslicht würde ihre Flucht erheblich erschweren.
Durch die Gefangenschaft hatte er jedoch jegliches Zeitgefühl verloren. An den Arbeitszeiten konnte er sich ebenso wenig orientieren, da sie immer zu unterschiedlichen Tageszeiten abgeholt wurden.
Plötzlich blieb Dietz vor ihm stehen.
„Was ist los?“ fragte Vilbel flüsternd.
„Da vorne ist eine Tür, Sir.“ entgegnete Dietz.
„Lässt sie sich öffnen?“
„Weiß nicht... Dettmer... he, Dettmer!”
In diesem Augenblick ertönte ein lautes Krachen. Jemand fluchte laut. Dann ein Ruf auf elfisch. Vilbel hörte Stahl auf Stahl, konnte jedoch aufgrund der Krümmung der Wendeltreppe keinen Blick auf den Kampf erhaschen. Ein schriller Schrei, dann war alles still. Vilbel drängte nach vorne.
„Was ist passiert?“ fragte er mit strengem Blick in die Runde.
„Er kam plötzlich durch die Tür.“ antwortete Helmuth sichtlich bedrückt und deutete auf einen leblosen Körper am Boden. Der Elf lag mit einer klaffenden Bauchwunde auf der Treppe, sein Schwert lag neben seiner rechten Hand, die langen Finger noch um das Heft geschlungen. Vilbel konnte an der Schneide Blut entdecken.
„Verletzte?“ fragte er mit monotoner Stimme.
„Ja, er hat mich an der Schulter getroffen.“ meldete sich Siegismund zu Wort und zeigte seinem Leutnant die Wunde. Der Elf hatte mit einem abwärts geführten Stich die Glieder des Kettenhemdes durchbrochen und dem Soldaten einen tiefen Schnitt beigebracht.
„Nicht weiter schlimm, ich mach’ weiter.“ fügte der Soldat hinzu.
„In Ordnung. Dietz, nehmen sie sein Schwert. Ich bin zwar kein Experte in elfisch, aber ich verwette Dettmer’s großen Zeh, dass der hier gerade die ganze Stadt geweckt hat, falls sie sowieso nicht schon alle hinter uns her sind! Jetzt im Laufschritt, Bewegung, Bewegung, Bewegung!“ befahl Vilbel, während seine Stimme immer lauter wurde. Seine Männer nickten und folgten seinem Befehl. Während sie den Raum hinter der Tür durchquerten, hielt Vilbel kurz inne. Auf einem Tisch lag ein dickes Buch, dessen Seiten aus blasser Haut gepresst waren und in dem eine Rune hinter der anderen geschrieben stand. Elfische Schriftzeichen. Vilbel überlegte einen Augenblick. Lesen konnte er es zwar nicht, aber wenn ihnen tatsächlich die Flucht gelingen sollte, könnte ein Übersetzter vielleicht wichtige Informationen aus dem Buch gewinnen. Und selbst wenn nur die Namen der Gefangen darin standen, so würden doch unzählige Familien Gewissheit über den Verbleib ihrer Angehörigen erlangen. Er klappte das Buch zu und folgte seinen Männern.

Sie liefen unzählige Stufen empor, durchquerten weitere Räume, in denen bläulich schimmernde Feuer unheimliche Schatten an die Wände warfen und liefen einen langen Gang entlang, der von zahlreichen, kunstvoll gravierten Säulen gesäumt war, beleuchtet durch unzählige bläulich schimmernde Fackeln. Der anschließende Raum hatte einen ovalen Grundriss und lief an der Decke zylinderförmig zusammen. Ganz oben war ein Loch in der Spitze des Zylinders. Vilbel konnte Meerluft riechen. Er sog den Geruch tief durch die Nase und ein Gefühl der Euphorie durchfuhr ihn. Bald würden sie die Kerker verlassen. Doch dieses Hochgefühl wurde sogleich durch ein grässliches Knarren der gegenüberliegenden Tür hinweg gefegt. Alle Männer blickten wie gebannt auf die sich langsam öffnende Holztür, bis schließlich eine matt glänzende, dunkle Rüstung zum Vorschein kam. Ein Elf, glatte zwei Köpfe größer als ein Mensch, gekleidet in ein silbriges Kettenhemd, umhüllt von schwarzen Armschienen, spitz zu laufenden Schulterpanzern und einem Helm, der eine grässliche Dämonenfratze beschrieb, schritt durch den Türrahmen. Bewaffnet war er mit einem Speer mit breiter Klinge, ähnlich einer Hellebarde, welche an der Spitze kunstvoll zusammenlief. In der linken Hand trug er einen mächtigen Schild, der mit Schuppen überzogen war. Vier weitere Elfen, welche die selbe Rüstung wie alle anderen Wachen des Verlieses trugen, betraten nach ihm den Raum.
„Wen haben wirr den hierr?“ zischte der Elf mit der dunklen Rüstung auf gebrochenem Reikisch.
„Dumme Menschen! Glaubt ihrr wirrklich, ihrr könntet von hierr fliehen?“
Leutnant Vilbels Herz begann zu rasen. Seine Gedanken schienen durch sein Gehirn zu schießen, ähnlich den Raketen der Nulner Technicusse. Blitzschnell bekam er schwitzige Hände. Welchen Befehl sollte er geben? Sie hatten zwar fünf bewaffnete Männer, aber ihre Ausrüstung war für sie mehr als unhandlich. Zurück in den Kerker ging er aber nur über seine Leiche. Noch bevor er eine endgültige Entscheidung treffen konnte, kam ihm ein Mann aus Bretonia zuvor, der Kapitän Heinrich als Übersetzer begleitetet hatte.
„Ehär stärbe isch, als in diehse Kerkär surücksugehen! Für König Leoncoeur und ein glorreisches L'Anguille!“
Der Mann stürmte mit erhobenen Fäusten auf die Gruppe der Elfen zu. Von seinem Todesmut angesteckt, stürmten auch die Männer des Imperators durch den Raum, um den überraschten Elfen den Tod zu bringen.
„Beim Imperator, ich werde mir den Ruhm nicht von einem Bretonen nehmen lassen!“
Mit diesem Gedanken stürmte auch Leutnant Vilbel ins Getümmel.

Der Kampf war schnell und erbarmungslos. Die Masse der Menschen brandete gegen das Kampfgeschick der Elfen. Die erste Reihe von Vilbels Männern fiel unter den geübt geführten Klingen der Wachen. Der Leutnant versuchte ihre Schreie zu ignorieren, aber sie brannten sich in sein Gedächtnis und hämmerten auf sein Gehör. Lediglich Helmuth, Siegismund, Dettmer, Wolf und Dietz konnten sich einigermaßen gut verteidigen, die meisten anderen wurden mit nur einem Hieb niedergestreckt. Langsam kam allerdings die Masse der Gefangenen zum tragen. Die Elfen konnten ihre Waffen im Handgemenge nicht mehr richtig zum Einsatz bringen. Zwei von ihnen wurden zu Boden gerungen und niedergetrampelt. Zwei weitere wurden von Vilbels bewaffneten Männern erschlagen. Schließlich stand nur noch der Elf mit der dunklen Rüstung. Siegismund und Dietz attackierten ihn zugleich. Mit einem seines Gleichen suchendem Geschick blockte der Elf Siegismund’ hieb ab, duckte sich unter seinem Schild hindurch und stieß Dietz seinen Speer geradewegs durch den Brustkorb, noch bevor dieser seinen Schwertarm schwingen konnte. Fast gleichzeitig stieß er seinen Schild nach vorne und brachte Siegismund so zum taumeln. Diese Lücke in der Abwehr des Menschen nutzend, zog der Elf seinen Speer in einem Halbkreis nach oben und durchtrennte die Kehle des Soldaten. Blut spritze in einer Fontäne aus seiner Halsschlagader und besprenkelte die kahle Wand. Kunstvoll drehte sich der Elf um seine eigene Achse und verharrte in einer hockenden Position, sein Schild vor sich haltend und auf den nächsten Angriff wartend. Siegismund und Dietz schlugen synchron auf dem Boden auf. Nun stürmten Helmuth, Dettmer und Wolf von drei Seiten schreiend auf ihn zu, in Rage versetzt, obgleich dem Tod ihrer Waffenbrüder. Der Elf öffnete seine Deckung und hob seinen Schild, um Wolf auf selbigem auflaufen zu lassen. Im selben Moment stand der Elf auf und hob Schild samt dem Soldaten mit einer für seinen drahtigen Körper unglaubwürdigen Kraft über seinen Kopf hinweg. Von seinem eigenen Schwung getragen, wurde Wolf durch den Raum katapultiert und landete auf Dettmer. Dieser versuchte ihn in seiner Überraschung aufzufangen, doch verlor das Gleichgewicht. Beide krachten zu Boden. Helmuth verwickelte den Elfen in einen Fechtkampf. Abgelenkt durch Wolf konnte der Elf die Länge seiner Waffe gegen Helmuth nicht einsetzten, welcher die Zeit genutzt hatte um näher an seinen Gegner zu treten. Der Feldwaibel ließ einen Hagel aus Hieben auf den Elfen nieder, der nur noch auswich und mit seinem Schild parierte. Schließlich ließ der Elf seinen Speer fallen und zückte in einem günstigen Moment einen Dolch. Er duckte sich unter einem Schlag hindurch und schoss nach vorne. Der Feldwaibel sah den Stich kommen und wich zurück, war aber für den flinken Elfen dennoch zu langsam und wurde am linken Oberschenkel getroffen. Sein Bein knickte weg und auch der Feldwaibel landete auf dem Steinboden. Plötzlich stand Leutnant Vilbel über dem Elfen, mit einem Schwert in seiner Hand. Durch den Schatten gewarnt, drehte sich der Elf und stach nach oben. Vilbel spürte einen brennenden Schmerz in der Leistengegend, der sich rasch ausbreitete. Er wollte nach unten sehen und die Wunde in Augenschein nehmen, doch dann traf sein Blick die kalten Augen des Elfen unter dessen Helm. Der Leutnant grunzte grimmig und trennte den Kopf mit einem Hieb sauber von den Schultern des Elfen. Dann brach er zusammen.

Vor ihnen schleppte sich Helmuth die Stufen empor. Dettmer und Wolf trugen ihren Leutnant die Treppe hinauf. Hinter ihnen hörte Vilbel noch weitere Stimmen.
„Ich kann Tageslicht sehen!“ rief Helmuth halblaut.
Kurz darauf durchquerten sie einen letzten Raum und traten durch ein großes Portal ins Freie. Der Morgen graute. Sie hörten die Brandung des Meeres und atmeten frische Luft.
„Ihr müsste euch beeilen, es wird gleich hell!“ versuchte Vilbel seine Männer mit letzter Kraft anzutreiben. Er keuchte und schmeckte Blut in seinem Mund. Dettmer und Wolf lehnten ihn gegen die nächste Wand, dort sank er zu Boden.
„Hier, nehmen sie das Buch.“, sagte er zu Helmuth und überreichte ihm den Lederband.
„Brauchen sie eine Pause?“ fragte dieser, während der das Buch an sich nahm.
„Sie werden mich hier lassen müssen, alter Freund.“ antwortete Vilbel mit einem ironischen Lächeln auf den Lippen. Erneut keuchte er vor Schmerz und ihm wurde langsam Schwarz vor Augen.
„Nein, niemals!“ widersprach ihm Helmuth.
„Doch, sie müssen! Mit mir kommen sie nicht weit! Ich kann ja nicht mal selbst laufen. Wollen sie, dass mein Tod umsonst ist?“
„Na... Natürlich nicht.“
„Gut, dann machen sie sich auf den Weg. Sie sind nur noch zu acht, sie können es schaffen.“
Der Feldwaibel nickte, dann drehte er sich um und lief auf die Klippen zu, die anderen Männer folgten ihm. Vilbel blickte ihnen nach, bis sie hinter einem Felsvorsprung verschwanden. Langsam zeigte die Sonne ihre volle Größe am Horizont und der Nebel lichtete sich. Plötzlich stockte Vilbel der Atem. Das Wasser, welches gegen die Klippen brandete, war nur ein Ausläufer einer Meerenge. Einige Meilen aufwärts war eine Torschleuse der Dunkelelfen. Auf diesem Weg würden seine Männer nicht entkommen können. Wenn Helmuth schlau war, würde er sie also gen Süden führen, hin zu den Siedlungen in den nördlichen Ausläufern Lustrias. Aber dieser Weg war weit, viel zu weit. Verzweiflung macht sich in seinem Herzen breit. Er fragte sich noch, ob er nun Sigmar oder Morr gegenübertreten müsse, dann umnachtete ihn die Dunkelheit.




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