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19. März 2009, irgendwo in den Vereinigten Staaten

Die Beteiligten der Konferenz rutschten unruhig auf ihren Stühlen herum. General Smith - keiner der anwesenden wusste ob er wirklich General war und tatsächlich Smith hieß - saß am Kopfende des ovalen, blankpolierten Mahagonitisches und blaffte den leitenden Wissenschaftler quer durch den Konferenzraum an, wobei er die Akten der ihm nahe sitzenden Abgeordneten mit reichlich Spucke besprenkelte.
"Doktor Kawarski, es ist mir furzegal ob sie mehr Zeit brauchen! Wir wissen aus zuverlässiger Quelle, dass die Russen einen ähnlichen Wirkstoff schon seit zwei Monaten besitzen und ihn die Tage an die Koreaner verkaufen. Ihr rumgekrebse können wir also zur Zeit gar nicht gebrauchen!"
Dr. Kawarski war sichtbar erschrocken und blickte sich hilfesuchend nach seinem Assistenten um, der jedoch ähnlich steif wirkte und sich nicht gerade um eine aussagekräftige Argumentation zu bemühen schien. Der leitende Wissenschaftler schluckte schwer und began mit holpriger Stimme.
"Sir, Goliath bedarf noch einiger abschließender Testläufe. Wir konnten zwar die tödliche Wirkung der Viren bei Pflanzen und Tieren nachweisen, haben aber bisher keine Bestätigung beim Menschen."
Er machte bewusst eine Pause, um Smith die Chance zum einlenken zu geben, doch als sich niemand zu Wort meldete, fuhr er fort.
"Zudem kam es bei manchen Tierarten zu unvorhergesehenen Mutationen, deren genetischen Code wir noch nicht hunderprozentig entschlüsste haben."
"Kawarski, der Termin ist in zwei Wochen. Sehen sie zu, dass sie bis dahin fertig werden." entgegnete Smith schließlich.
"Zwei Wochen?" fragte Kawarski ungläubig. "Nie im Leben können wir die finalen Tests in so kurzer Zeit abschließen, geschweige denn den Antivirus entwickeln. David steckt noch in den Kinderschuhen!"
"Wir haben sie auch nicht aufgrund ihres einzigartigen Talents als Babysitter engagiert, sondern aufgrund ihrer Fähigkeiten als Wissenschaftler!" schoss Smith zurück. "Vergessen sie David, ich will den G-Virus in zwei Wochen verpackt und einsatzbereit, ist das klar?"
"Aber Sir, ohne den Antivirus kann ich das Projekt nicht freigeben. Die Folgen wären womöglich untragbar!" stotterte Kawarski.
"Es ist auch untragbar, dass die Brüste meiner Frau den Gesetzen der Schwerkraft unterliegen, aber ich schlafe trotzdem mit ihr, stellen sie sich vor." antwortete Smith mit einem Schmunzeln auf den Lippen.
"Was wollen sie damit sagen?"
"Ich will damit sagen, dass sie pünktlich in zwei Wochen den G-Virus abliefern, oder sie tragen die Konsequenzen. Habe ich mich klar und deutlich ausgedrückt?"
Dr. Kawarski erweckte erst den Anschein, als wolle er widersprechen, doch dann senkte er niedergeschlagen den Blick und nickte bedächtig.
"Gut, die Besprechung ist hiermit beendet. Sie beide dürfen nun gehen." sagte Smith bestimmend.

Der Wissenschaftler und sein Assistent folgtem dem Befehl und verließen den Konferenzraum.
"Was ist los Pack?" fragte Smith einen der Abgeordneten, welcher einen skeptischen Blick aufgesetzt hatte.
Der Angesprochene schürzte die Lippen und murmelte unverständlich vor sich hin, überlegend, ob er seine Bedenken nun äußern sollte oder nicht. "Smith, ich widerspreche ja wirklich nur ungern, aber ich bin mir nicht sicher, ob wir den Einsatz ohne ein Gegenmittel genehmigen sollten. Wir wissen nicht, ob wir mit kollateralen Schäden zu rechnen haben."
"Pack, sie können sicher sein, dass wir die Auswirkungen des Virus ausgiebig testen, bevor wir den Einsatz bewilligen" entgegnete Smith beschwichtigend, doch der Abgeordnete lachte sarkastisch auf.
"Wer sollte denn so lebensmüde sein, sich den Virus freiwillig injizieren zu lassen, ohne das wir ein Gegenmittel zur Verfügung stellen?"
"Vertrauen sie mir, wir finden da schon jemanden." sagte Smith mit einem glitzern in den Augen. "Und sollten sie vorhaben, sich im Kongress gegen das Projekt zu wenden, finden wir bestimmt Mittel und Wege, dass sich ihre Töchter freiwillig als Versuchskaninchen melden ... "

Dr. Kawarski beschleunigte seine Schritte, als er den dunklen, fensterlosen Korridor auf Ebene B durchquerte. Sein Assistent hatte, bepackt mit unzähligen Aktenordnern, reichlich Mühe, mit seinem Vorgesetzten Schritt zu halten.
"Doktor, was machen wir jetzt?" fragte er hechelnd.
"Wir streichen David. In zwei Wochen muss Goliath fertig sein. Bereiten sie Versuchsobjekt Delta vor."
"Aber Doktor, das können wir nicht tun..."
"Ich weiß Jonah, ich weiß. Mir gefällt es ebenso wenig wie ihnen. Aber die haben uns am Arsch. Und wenn ich sage am Arsch, dann meine ich am Arsch! Ich wollte eigentlich noch einmal Tageslicht sehen, bevor ich sterbe. Sie nicht auch?"


23. März 2009, irgendwo in den Vereinigten Staaten

Dr. Kawarski rückte sein Headset zurecht.
"Test 1, Test 2, Test 3."
Er blickte durch die Panzerglasscheibe, welche den Operationssaal vom Rest des Labors trennte und bekam einen nach oben gereckten Daumen zu sehen. Die Übertragung seines Mikrofons funktionierte also einwandfrei.
Der Doktor atmete tief durch seinen Mundschutz ein, zog noch ein letztes mal seine Gummihandschuhe glatt und schritt zur Steuerungskonsole des Roboterarmes.
"Starte Versuchsreihe F, Versuchsobjekt Delta."
Vor ihm lag ein Mann mitte dreißig mit schütterem Haar. Er war mit Hand- und Fußgelenken mit dicken Lederriemen an den OP-Tisch gefesselt, was aufgrund seiner absoluten Regungslosigkeit aber überflüssig erschien. Der Mann war sichtlich abgemagert. Schlüsselbeine, Rippen und Hüftknochen standen aus seiner Haut hervor. Sein Gesicht war aschfahl.
"Injiziere nun den Goliath-Virus in den Blutkreislauf von Versuchsobjekt Delta."
Kawarski betätigte einen Joystick, worauf der Greifarm nach rechts schwenkte und eine Ampulle aufnahm, die mit einer roten, gelartigen Substanz gefüllt war. Am anderen Ende der Ampulle blitze eine lange, spitze Nadel auf.
Durch erneute Justierung des Joysticks positionierte Kawarski den Roboter über dem Arm des unbekannten Mannes.
"Injizierung ... abgeschlossen."
Mit diesen Worten betätigte Kawarski einen Kopf am Steuerpult und spritzte den Inhalt in die rechte Armbeuge von Versuchsobjekt Delta.


23. März 2009, irgendwo in den Vereinigten Staaten, 3 Stunden nach Start von Versuchsreihe F

"Irgendwelche Veränderungen?" fragte Dr. Kawarski.
"Puls jetzt auf 160, Blutdruck leicht erhöht. Ansonsten keine Veränderung." antwortete sein Assistent.
"Gut Jonah, ich geh nun nach oben ein wenig schlafen. Wecken sie mich, falls sie etwas beobachten, ja?"
Kawarski rieb sich die juckenden Augen und gähnte herzhaft, bevor er seine ID-Karte aus der Tasche zog und die Labortür öffnete, wurde jedoch von einem piependen Signalton davon abgehalten, selbige auch zu durchschreiten.
"Doktor ... der ... der Computer meldet eine unbekannte Symbiose des DNA-Stranges."
"Was?" rief Kawarski erstaunt aus und hechtete zurück zum Bildschirm. "Hmm, einen Moment ... ich lasse ihn kurz die Basenpaare analysieren, vielleicht erfahren wir dann genaueres."
Beide Wissenschaftler starrten gebannt auf den Monitor, während der Computer weitere Messungen durchführte, bevor er abschließend unterschiedliche Werte in einer Tabelle aufführte.
"Ja, sehen sie Jonah. Die DNA-Moleküle Adenin und Thymin weisen eine Mutationsrate von jeweils dreiundsiebzig Prozent auf. Dadurch wird die DNA-Polymerase um fast das vierfache beschleunigt. Das ist unglaublich!
Dr. Kawarski war sichtlich erheitert.
"So etwas habe ich noch nie gesehen..." stammelte Jonah, vollkommen perplex.
"Jonah, schätzen sie sich glücklich, dass sie diesem Ereignis beiwohnen dürfen. Das ist ein absoluter Durchbruch in der menschlichen Gentechnik, dass ist ..."
Kawarski unterbrach sich mitten im Satz, worauf sein Assistent noch verwirrter dreinblickte. Der Doktor durchquerte eilig den Raum und begann hastig diverse Aktenschränke zu durchwühlen. Schließlich öffnete er einen Ordner, blätterte wild darin herum und fuhr zu guter Letzt mit dem Zeigefinger die Zeilen entlang.
"Thymin ... Thymin ... Thymin ... hier! Mutationsrate achtundsechzig Prozent. Das bedeutet also ... eine ähnliche Mutation wie bei Versuchsreihe C ... "
Plötzlich riss Kawarski erschrocken die Augen auf.
"ABSCHALTEN!" schrie er seinen Assistenten an.
"W... was abschalten?"
"Die Beatmung abschalten! ABSCHALTEN! SCHNELL!"
"Ja ... wo ist denn dieser verfluchte ..."
"SCHEISSE!"


24. März 2009, Büro von General Smith, 27 Stunden nach Start von Versuchsreihe F

"Ja mein Goldstück, ich bin pünktlich zum Abendessen zu Hause. Hat Onkel Bob seine leckeren Spare Ribs mitgebracht? Für diese Marinade würde ich töten."
Es klopfte an der Tür.
"Warte einen Augenblick mein Goldstück." Smith hielt eine Hand vor die Sprechmuschel des Telefons und blickte erwartungsvoll durch sein stilvoll eingerichtetes Büro. "Herein."
Adjutant Sobel trat ein, maschierte zielstrebig zu dem großen, massiven Schreibtisch, der einen Großteil des Raumes beanspruchte, fragte sich kurz, ob sein Vorgesetzter damit etwas kompensieren wollte, bemühte sich bei diesen Gedanken keine Miene zu verziehen, stand stramm und salutierte.
"Sir, ich glaube sie sollten sich kurz die Nachrichten anschauen."
"Und nur weil sie etwas glauben, unterbrechen sie mich bei einem wichtigen Telefonat? Sind wir jetzt bei den bibeltreuen Christen oder was?"
"Ich bitte vielmals um Verzeihung Sir, aber ich bin mir sicher, es wird sie interessieren."
"Ah ... ähja ... also gut." Smith hob den Hörer erneut ans Ohr. "Ich rufe zurück"
Ohne mit der Wimper zu zucken legte er auf, griff nach der Fernbedienung, schaltete den Fernseher ein und stellte einen Nachrichtensender ein.

"... kam es zu einem Eklat bei der Abstimmung über Projekt Samuel. Offiziell steckte hinter dem Projekt ein Impfstoff, der die regenerativen Fähigkeiten von Zebrafisch und Kakerlake kombiniert und für Soldaten im Kampfeinsatz gedacht war, um deren Verwundungen auf ein Minimum zu reduzieren. Diese ursprüngliche Idee erfreute sich bei den Rund 535 Abgeordneten den amerikanischen Kongresses großer Beliebtheit.
Wie nun jedoch kurz vor der finalen Abstimmung durch eine internen Quelle bekannt wurde, haben an Projekt Samuel beteiligte Wissenschaftler durch Zufall einen Virus entdeckt, der eine umgekehrte Wirkung erzielt und das Immunsystem vollständig außer Kraft setzt. Der Quelle nach nutzen korrupte Militärs diese Entdeckung zur Entwicklung eines Kampfstoffes.

Nach dieser Bekanntmachung zeigten sich viele Abgeordnete geschockt und votierten in der anschließenden Abstimmung gegen die Verabschiedung des Gesetzes zum Erlass von Projekt Samuel. Ein Abgeordneter aus Michigan äußterte sich -"

Weiter kam die Nachrichtensprecherin nicht mehr, denn Smith hatte einen massiven Briefbeschwerer in den Fernseher geschleudert. Winzige Blitze zuckten durch die zersplitterte Bildröhre und beißender Qualm stieg Adjutant Sobel in die Nase, welcher mit den Tränen kämpfte.

"PACKLETON, DU VERDAMMTES ARSCHLOCH!"


26. März 2009, irgendwo in den Vereinigten Staaten, 77 Stunden nach Start von Versuchsreihe F

Dr. Kawarski und General Smith standen vor der Panzerglasscheibe des Labors und blickten in den Op-Saal, wo ein junges Mädchen verzweifelt versuchte, sich von seinen Fesseln zu befreien.
"Ist das auch sicher?" fragte Smith.
"Ja, Sir. Nachdem sich Versuchsobjekt Delta aus den Lederriemen befreien konnte, haben wir sie durch Stahlmanschetten ersetzt. Da kommt sie nicht raus." antwortete Kawarski.
Smith nickte zustimmend und wandte seinem Blick wieder dem Mädchen zu. Sie war noch in der Pubertät, vielleicht 16, schätze er, aber schon herangereift wie eine Frau. Sie hatte schulterlanges, tiefschwarzes Haar und helle, samtartige Haut. Ein kleines Wunder, dass dieses fette Schwein Packleton so etwas hervorbringen konnte.
Smith lachte bei dem Gedanken, wie der Abgeordnete sich jetzt wohl fühle, wo seine Frau tot und seine beiden Töchter verschwunden waren.
"Wie geht es ihrer kleinen Schwester?" fragte er schließlich, ohne seinen Blick von der jungen Frau abzuwenden.
"Sie hat ununterbrochen geweint und nach ihrer Mutter geschrien. Wir haben sie ruhiggestellt."
"Gut ... in Ordnung. Ich hoffe, der Virus zeigt bald seine Wirkung. Kommen sie mit nach unten in die
Cafeteria? Die haben heute Thunfisch-Sandwich im Angebot, hab' ich gehört."
"Sie sind doch krank ..." raunzte Dr. Kawarski.
General Smith verließ lachend das Labor.

Zoey Packleton hatte sich die Handgelenke an den Stahlmanschetten wund gescheuert und inzwischen den Versuch aufgegeben, sich zu befreien. Ihr Kopf war ebenfalls am Tisch fixiert, wodurch sie nur unentwegt die blanke, weiße Decke anstarren konnte. In ihrem rechten Augenwinkel befand sich irgendeine Apparatur, aber sie konnte nicht genau erkennen, um was es sich dabei handelte. Der Raum wirkte steril und es roch nach Desinfektionsmittel. Sie wusste weder wo sie sich befand, noch wie sie hierher gekommen war.
Sie konnte sich vage daran erinnern, dass ihr Vater sie, ihre kleine Schwester und ihre Mutter angewiesen hatte, das Haus unter keinen Umständen zu verlassen. Doch nachdem er selbst das Haus verlassen hatte, um einen alten Freund zu treffen, klaffte nur noch ein tiefes schwartes Loch in ihrer Erinnerung.
Sie war durstig, hatte Hunger und sorgte sich um ihre Familie. Aber zum jetzigen Zeitpunkt, in ihrer jetzigen Lage, konnte sie nichts tun, außer sich ihrem Schicksal zu ergeben.


28. März 2009, irgendwo in den Vereinigten Staaten, 112 Stunden nach Start von Versuchsreihe F

"Doktor, geben sie mir einen vollständigen Zwischenbericht." sagte Smith.
"Das kleine Mädchen weißt erhebliche Wachstumsmutationen auf. Ihr Finger- und Fußnägel sowie ihre Haare wachsen in erschreckendem Tempo. Sie brauch immer stärke Beruhigungsmittel, um sie konstant ruhig stellen zu können." antwortete Dr. Kawarski.
"Und die große?"
"Keinerlei Veränderung. Wir haben ihr erneut den Virus injiziert, ohne jegliche Reaktion."
"Heißt das, der Virus ist defekt?"
"Nein, der Virus kann nicht defekt sein. Er wirkt bei ihr anscheinden einfach nicht. Sie ist immun."
"Dann ist sie wertlos. Sagen sie Sobel, er soll sie nach oben bringen und im Fluss verschwinden lassen."
"Was? Sind sie verrückt? Wenn wir sie als Grundlage verwenden, können wir vielleicht endlich einen Durchbruch bei der Entwicklung von David erzielen." entgegnete Kawarski erschrocken.
"Ich will nicht noch mehr Zeugen. Nehmen sie eine Blutprobe von ihr und experimentieren sie damit."
"Aber Sir, Versuche am lebenden Objekt wären um ein vielfaches aufschlussreicher ..."
"Am Anfang waren sie doch selbst gegen die Versuche an Menschen. Die Blutprobe muss reichen!" antwortete Smith in gewohnt harschem Ton, der das Gespräch unmissverständlich beendete.


28. März 2009, irgendwo in den Vereinigten Staaten, 114 Stunden nach dem Start von Versuchsreihe F

Francisco McDormand trat zwischen den Büschen hervor und seufzte erleichtert. Er musste bestimmt schon seit 40 Meilen pinkeln, doch die Fahrt dem märchenhaften Sonnenuntergang entgegen wollte er sich einfach nicht nehmen lassen, erst recht nicht von seiner Blase. Er ging die wenigen Schritte von den Ausläufern des Waldes zurück zu seiner Harley, durchsuchte die Seitentaschen und kramte einen Flachmann hervor. Während er einen kräftigen Schluck trank, lies er seinen Blick über das Ufer des Delaware-Rivers schweifen.
Sein Blick blieb an drei Gestalten hängen, die unweit der Auffahrt zur Brücke neben einem Geländewagen standen. Er roch an seinem Flachmann, um den Inhalt zu überprüfen, denn er war sich sicher, dass der Wagen vor zwei Minuten noch nicht dort stand. Zwei der unbekannten Subjekte, stämmig gebaut, begannen nun, die dritte, schmächtigere Gestalt richtung Wasser zu bugsieren. Dabei lachten sie laut auf und amüsierten sich offensichtlich.
Francisco steckte seinen Flachmann weg, schlug einen Bogen und ging von hinten auf den Geländewagen zu. Am Heck des Wagen angekommen, konnte er die Stimmen besser wahrnehmen.
"Ist eigentlich schade um dich. Bist ganz hübsch anzusehen." sagte einer der Männer.
"Ja, ein anderer Ort, eine andere Zeit, eine andere Situation ... ich bin mir sicher, wir zwei hätten viel Spaß miteinander." pflichtete ihm der andere bei.
Die dritte Person, offensichtlich eine Frau, antwortete nicht, sondern murmelte lediglich vor sich hin.
Francisco ging um den Wagen herum und schlich sich vorsichtig an die Gruppe heran, wobei der schlammige Boden des Flußufers das Gewicht seines bulligen Körpers abfederte und jegliche Geräusche verhindert.
"Naja egal, bringens wirs hinter uns." sagte der Erste, zog eine Pistole, schraubte einen Schalldämpfer auf und hielt sie der Frau gegen den Kopf. "Irgendwelche letzten Worte?" fragte er lachend.
"Ja." sagte Francisco. Der Mann mit der Pistole dreht sich um, aber es war bereits zu spät. Die Faust der Bikers traf ihn mittem im Gesicht und ein abscheuliches Knacken ließ einen Mehrfachbruch des Nasenbeins erahnen.
Der Zweite versuchte nun ebenfalls eine Pistole zu ziehen, Francisco griff ihm jedoch ans Handgelenk und rang mit ihm um die Waffe. Zwei Schüsse lösten sich und schreckten einige Gänse aus einem nahegelegenen Schilf auf.
Die Frau versuchte zu fliehen, stürzte jedoch auf dem schlammigen Untergrund. Mister Nasenbeinbruch kam langsam wieder zu sich, schüttelt den Kopf und richtete die Waffe anschließend auf die am Boden liegende Frau.
Francisco verpasste seinem Gegner einen Kopfstoß ins Gesicht, nutze die Gelegenheit der Schwäche und rang seinem Gegenüber die Pistole ab. Er schoss Mister Nasenbeinbruch mehrere Male in die Seite, bevor dieser leblos zu Boden sank. Sein verbleibender Gegner, nun entwaffnet, trat schleunigst den Rückzug an, stieg in den Geländewagen und fuhr mit Vollgas die Böschung richtung Straße empor.
"Pah! Weicheier." murmelte Francisco.
Die Frau richtete sich auf und versuchte erneut, davon zu rennen, doch Francisco packte sie am Oberarm.
"Hey ... hey ... ganz ruhig ... beruhig dich ... sie sind weg."
Die Frau zappelte immer noch und versuchte sich seinem Griff zu entwinden.
"Ok, hör zu, ich nehm dir jetzt deine Fesseln ab, in Ordnung? Ich will dir nichts tun..."
Die Frau begann zögerlich, mit ihrer Strampelei aufzuhören und nickte schlussendlich.
"Geht doch." Francisco zückte ein Taschenmesser und durchtrennte ihre Fesseln an den Handgelenken, bevor er ihr den Knebel aus dem Mund nahm.
"Wie heißt du, Kleines?"
"Zoey, und ich bin nicht klein, klar?"
"Haha, schon klar. Ich bin Francisco. Nenn mich Francis."
"Warum soll ich dich nicht Francisco nennen?"
"Mach was du willst ... was wollten die Typen von dir?"
Dies war jedoch die falsche Frage. Zoey begann wie ein Wasserfall vor sich her zu plappern.
"Das glaubst du mir nie! Ich wurde entführt und bin in irgend' so 'nem bescheuerten OP-Saal wieder aufgewacht. Die haben mir zweimal so'n komisches Zeug gespritzt, aber passiert is' nix'. Wir müssen dringend die Polizei rufen, die haben immer noch meine Familie!"
"Wow, wow ... langsam, mit den Bullen läuft hier schonmal gar nix', kapiert?" unterbrach sie Francis. "Das geht mir alles ein bisschen zu schnell. Wo kann ich dich denn hinbringen, vielleicht ist deine Familie ja zu Hause."
"Nein, du Idiot verstehst das nicht! Die haben mich und meine Familie entführt. Kapierst du das? ENTFÜHRT!"
Francis strich sich mit der flachen Hand durchs Gesicht. "Ok ok, ich glaub dir ja. Weißt du denn wo genau sie deine Familie festhalten?" fragte er mit unmerklich mitschwingender Ironie in seiner Stimme.
"Nein, keine Ahnung. Kann aber nicht weit von hier sein."
"Also gut, ich werd sehn was ich machen kann. Ich bring dich erstmal zu nem' alten Freund in die Stadt, da kriegst du was zu essen und kannst deine Eltern anrufen..."
"Wie oft noch du völlig verblöderter Idiot. ICH WEIß NICHT WO MEINE FAMILIE IST!" schrie Zoey.
"Ist ja gut, ist ja gut. Komm runter. Ruf halt von mir aus auch die Polizei an."
resignierte Francis. "Aber lass mich aus dem Spiel. Ich will mit denen nichts zu tun haben."
Er führte Zoey zurück zu seiner Harley und wies sie an, hinter ihm Platz zu nehmen.
"Welche Stadt eigentlich?" fragte Zoey.
"Philadelphia." brummte Francis, lies die Kupplung kommen und gab Gas.


28. März 2009, Philadelphia, 115 Stunden nach Start von Versuchsreihe F

Francis klopfte energisch gegen die die Haustür der heruntergekommenen Behausung.
"Hey Bill, ich bins, Francis!"
Als niemand die Tür öffnete, schlug Francis mehrmals kräftig gegen die Tür.
"Bill du alter Sack, mach die Tür auf!"
Kurz darauf wurde ein Sichtschlitz geöffnet und ein paar graugrüne Augen kamen zum Vorschein.
"Wer ist hier ein alter Sack? Ich verspeiß dich als Zwischenmahlzeit." brummte eine markante, rauchige Stimme.
"Ist klar, alter Mann. Jetzt mach bitte die Tür auf, die Kleine hier brauch deine Hilfe."
Das Augenpaar hinter dem Sichtschlitz musterte Zoey mehrmals von oben bis unten, dann wurde der Sichtschlitz geschlossen und mehrere Riegel klackend geöffnet, bevor die Tür zur Seite schwang und ein älterer Mann mit grauem Bart und grüner Fliegerjacke präsentierte. Er begrüßte Francis mit einem kräfitgen Händedruck.
"Zoey, das ist Bill
Taggart ... und Bill ... das ist Zoey... äh, wie heißt du mit Nachnamen?"
"Packleton" brachte Zoey schüchtern hervor.
"Nur keine Verlegenheit, komm rein." lachte Francis und winkte Zoey durch den Flur. "Bill, sei so nett und mach uns was zu essen ja? Und hör die mal die Geschichte von der kleinen an, die interessiert dich bestimmt brennend."


29. März 2009, Philadelphia, 117 Stunden nach Start von Versuchsreihe F

Zoey verdrückte gerade ihren dritten Teller Gulasch.
"Am anderen Ufer vom Delaware sagst du?" fragte Bill.
"Ja, nicht weit von der Stelle wo mich Francis aufgegabelt hat. Vielleicht 10 Minuten Fahrt." mampfte Zoey.
"Hmm, nein, keine Ahnung. Davon hab ich noch nie was' gehört."
"Was meinst du, sollen wir machen?" schaltete sich Francis in das Gespräch ein. "Zur Polizei gehen?"
"Ich weiß nicht. Die werden wohl kaum Suchtrupps durch den Wald jagen."
"Aber meine Familie..." stammelte Zoey, nun sichtlich den Tränen nahe.
Francis legte den Arm um ihren Rücken und sprach ihr tröstend zu.
"Wir schlafen erstmal drüber, in Ordnung? Vielleicht sieht die Welt morgen schon wieder ganz anders aus."


29. März 2009, Philadelphia, 128 Stunden nach Start von Versuchsreihe F

" ...ChrzzzZZZzzz....zzzchRrrzzzz ..."
Bill veränderte die Frequenz des Radios auf der Suche nach einem Sender.
"Vergiss es alter Mann, ich hab auch nichs reinbekommen."
" ... chrZZZzzzZ ... zzzcchr... empfiehlt .... chhzZZZzzz ... und Türen fest zu verriegeln und das Haus ... chhhzzzzZZZ .. zu verlassen. Ich wiederhole. Das Militär empfiehlt jedem in Philadelphia und Umgebung Fenster und Türen fest zu verriegeln und das Haus unter keinen Umständen das Haus zu verlassen. Sollten weitere Informationen bekannt werden, hält sie WIDF natürlich auf dem laufenden... "
"Geht doch." sagte Bill.
"Was hast du vor, oh mächtiger Frequnzfinder?" fragte Francis sarkastisch.
"Wenn das Militär sagt, wir sollen in unseren Häusern bleiben, dann wird da schon was 'dran sein. Drüben bei Wal-Mart scheint die Hölle los zu sein. Guck' mal in der Schublade da, da sollten noch'n paar Dollar drin sein. Sieh zu was du kriegen kannst."


"Hey, Zoey, aufwachen." sagte Bill und legte die Hand auf ihre Schulter.
"Dad?" fragte sie schlaftrunken.
"Nein, ich bins Bill."
Zoey dreht sich auf den Rücken und blinzelte mehrfach. Sie schien sich ihrer Situation bewusst zu werden und fragte, ob sie jetzt die Polizei anrufen könne.
"Nein, die Leitungen sind tot. Der Strom ist heute Nacht mehrmals ausgefallen, keine Ahnung was los ist. Im Radio bringen sie 'ne Dauerschleife. Das Militär sagt, wir sollen in unseren Häusern bleiben."
"Wo ist Francis?"
"Er ist drüben bei Wal-Mart und holt-"
BUMM! BUMM! BUMM!
"BILL! SCHEISSE, MACH DIE TÜR AUF!"
Bill eilte aus dem Schlafzimmer die Treppe nach unten, während Zoey ihm fragende Blicke nachwarf.
"ALTER MANN, LEG NEN ZAHN ZU VERDAMMT!"
Kaum hatte Bill die Tür geöffnet, stürmten Francis und ein weiterer Mann in Haus.
"MACH DIE TÜR ZU!" herrschte Francis Bill an.
Bill schloss verdutzt dreinblickend die Tür. "Wem bist du denn begegnet?"
Francis stützte sich auf seine Knie und atmete schwer. Der Unbekannte sank mit dem Rücken an der Wand zu Boden.
"Die da draußen ... drehen alle durch ... die Fallen sich gegenseitig an ... wie Tiere ... keine Ahnung ... was da los ist." antwortete Francis hechelnd und völlig außer Puste.
"Ist ja nichts neues." murmelte Bill und wandte sich an den Unbekannten. "Und wer sind sie?"
"Ich heiße Louis Alonso" sagte der Mann und kniff das Gesicht vor Anstrengung zusammen. "Ich bin der Manager der Elektronikabteilung, drüber im Wal-Mart. Puh ich sag ihnen, da war die Hölle los."
"Hey Lui... schön dich kennen zu lernen" sagte Francis und konnte ein Lachen nicht unterdrücken.
"Die Freude ist ganz meinerseits." entgegnete Louis und grinste verschmitzt.
Zoey erschien auf der Treppe. "Jungs, was ist hier los?"
"Süße, das glaubst du mir niemals..." antwortet Francis und grinste noch breiter als Louis.
"Hört auf zu Lachen!" blaffte Bill. "Kommt lieber mal mit runter in den Keller, ich hab was für euch..."
"Spielverderber..." murmelte Francis.


29. März 2009, unterirdischer Labortrakt, 15 Meilen südlich von Philadelphia

General Smith schoss die letzten Kugeln seines Magazins auf die schmächtig wirkende Gestalt vor ihm. Er war sich sicher, getroffen zu haben, doch das Vieh lief weiter kreischend auf ihn zu. Das letzte was Smith in seinem Leben sah, waren die leuchtend gelben Augen von Anna Packleton, bevor sie ihn mit ihren gut dreißig Zentimeter langen Krallen zerfleischte.

Anna sank vor Smith' Leiche auf die Knie und begann langsam, mit dem Oberkörper vor und zurück zu wippen.
Sie hatte sich in ein Monster verwandelt und gut zwei Dutzend Menschen abgeschlachtet. Dicke Tränen rannen ihr Gesicht hinab und sie weinte um ihren Vater, ihre Mutter und ihre Schwester. Ihre große Schwester, die immer für sie da war und sie bisher immer beschützt hatte. Die ihr versprochen hatte, auf sie aufzupassen.
Und mit einem mal wurde ihr klar, wer an ihrer schlimmen Situation Schuld war.

"Zzoeyy... du hasst mich allein gelassssen ... mich zzurückgelassssen bei diessen bösen Mensschen ... zzurückgelassssen um zzu ssterben ... "



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